Fluch der Karibik Wiki
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Will und Davy Jones spielen Perudo.

Das Perudo-Spiel (englisch: Liar‘s Dice) ist ein beliebter Zeitvertreib an Bord der Flying Dutchman. Im Gegensatz zu Spielkarten sind Würfel, die aus Holz oder Knochen geschnitzt sind, wasserfest. Da das Spiel um Geld in der Regel verboten ist, spielt man entweder rein zur Unterhaltung, also „nur“ um die Ehre – oder gleich um seine Seele bzw. Ersparnis von Dienstjahren, wenn es einen auf die Flying Dutchman zu Zeiten von Davy Jones verschlagen hat. Nachdem Captain William Turner jr. das Kommando auf der Flying Dutchman übernommen hat, dürfte es auch dort wieder rein um die Ehre gehen wie auch auf anderen Schiffen von Piraten, Royal Navy und Handelsmarine – vielleicht auch um die Ehre, bleiben zu können …

Regeln[1]

Ziel des Spiels ist es, zu erraten, wie viele Würfel von einem bestimmten Wert insgesamt geworfen worden.

Für die erste Ansage wird vor Beginn ein Spieler bestimmt oder die erforderliche Eigenschaft (Jüngster, Ältester, Ranghöchster, bzw. –niedrigster, etc.) für dieses Recht festgelegt.

Jeder Spieler hat fünf Würfel und einen Würfelbecher. Alle Spieler würfeln gleichzeitig, lassen aber die Würfelbecher verdeckt auf den geworfenen Würfeln stehen. Jeder Spieler darf nur unter seinen eigenen Becher schauen und tut dies so, dass die anderen Spieler seinen Wurf nicht sehen können.

Der ermittelte Erste macht nun seine Ansage. Naturgemäß kann er nur schätzen, wie viele Würfel einen bestimmten Wert zeigen, da er nur die eigenen Würfelwerte kennt. Es zählen aber alle Würfel, nicht nur die eigenen! Die übrigen kann der Ansager nur raten, auch wenn seine eigenen Würfel natürlich in gewissem Rahmen die Möglichkeiten der anderen vorgeben. Wenn drei Spieler beteiligt sind, der Ansager zwei Dreien sein eigen nennt, können maximal zwölf davon überhaupt gefallen sein …

Die nächste Ansage macht der Nachbar im Uhrzeigersinn. Seine Ansage muss jedoch höher sein als die des Vorgängers. Dabei gilt, dass eine höhere Anzahl von Würfeln mit dem gleichen Wert oder mindestens die gleiche Anzahl von Würfeln mit einem höheren Wert die vorherige Ansage überbietet. Beim Aufdecken muss mindestens die genannte Anzahl der Werte auf dem Tisch liegen. Liegen bei angesagten drei Zweien fünf auf dem Tisch, ist die Aussage also zutreffend.

Angenommen, der erste Spieler sagt: „Drei Zweien“, muss der nächste Spieler überbieten also entweder mindestens vier Zweien ansagen oder drei Dreien. Statt einen höheren Wert zu bieten, kann der Nachbar aber die Ansage des vorherigen Bieters bezweifeln und ihn laut und deutlich „Lügner!“ nennen. Dann decken alle Spieler ihre Becher auf, womit die Würfel offen auf dem Tisch liegen. Die letzte Ansage wird mit den offenen Würfeln geprüft. Hat der letzte Ansager gelogen, verliert er einen Würfel. Ist seine Ansage wahr gewesen, verliert der Zweifler einen Würfel. In der nächsten Runde ist der Beschuldigte der Erste, der ansagt. Dabei ist es unerheblich, ob er gelogen oder die Wahrheit gesagt hat.

Wer keine Würfel mehr hat, scheidet aus. Am Ende bleiben noch zwei Spieler übrig. Gewinner ist, wem es gelingt, seinem einzigen verbliebenen Kontrahenten den letzten Würfel abzuluchsen.

Bluffen ist bei Perudo wie beim Pokern nicht nur erwünscht, sondern geradezu Pflicht …

Beispiel

Ein praktisches Beispiel für das Perudo-Spiel liefert Fluch der Karibik 2. Will Turner fordert Davy Jones heraus, setzt seine Seele für ewige Knechtschaft gegen den Schlüssel zur Truhe des Toten Mannes; Bill Turner will nicht zulassen, dass Will verliert und beteiligt sich ebenfalls daran.

Perudo: Wills Wurf

Die Würfe

Will:  1 x 1, 1 x 2, 3 x 5

Bill: 3 x 2, 2 x 3

Perudo: Stiefelriemens Wurf

Davy: 1 x 4, 4 x 5

Perudo: Davy Jones' Wurf

Die Ansagen:

  • „Stiefelriemen Bill“ Turner beginnt und sagt drei Zweien an. Da vier Zweien tatsächlich auf dem Tisch liegen, ist diese Aussage wahr.
  • Davy Jones überbietet und gibt vier Vieren an. Sein Risiko ist groß, denn er selbst hat nur eine Vier, die beiden anderen gar keine.
  • Will Turner bietet vier Fünfen. Da er selbst schon drei hat, kann er gut darauf spekulieren, dass von den anderen zehn Würfeln wenigstens einer ebenfalls eine Fünf zeigt. Auch seine Aussage ist wahr, denn Davy hat alleine schon vier Fünfen.
  • Bill erhöht auf sechs Dreien. Weil er selbst nur zwei Dreien hat, geht er schon ein hohes Risiko ein. Die Aussage wäre auch falsch, denn außer seinen beiden Dreien liegen keine auf dem Tisch.
  • Davy geht mit und sagt sieben Fünfen an, womit er die tatsächliche Anzahl genau trifft.
  • Will ist an der Reihe und muss entweder erhöhen, also mindestens acht Fünfen oder sieben Sechsen bieten oder er nennt Davy einen Lügner nennen. Dessen Aussage ist aber wahr … Er selber hat keine einzige Sechs, nur drei Fünfen und erhöht auf acht Fünfen. Das ist bei den bereits getätigten Ansagen von Bill äußerst riskant – und gelogen …
  • Davy ist nahe daran, Will einen Lügner zu nennen, was auch zutreffend wäre, aber Bill überbietet mit unmöglichen zwölf Fünfen. Da er selber keine einzige hat, können allenfalls zehn Fünfen auf dem Tisch liegen. Bill sagt ganz bewusst die Unwahrheit, um Will zu retten.
  • Davy nennt Bill zutreffend einen Lügner. Beim Aufdecken der Würfel kommen sieben Fünfen zum Vorschein. Bill verliert und ist damit auf ewig an die Flying Dutchman gebunden – es sei denn, Will findet einen Weg, ihn zu befreien …

Besser als in dieser Szene präsentiert lässt sich die gemeinsame Charaktereigenschaft von William Turner jr. und sen., für Vater bzw. Sohn Kopf und Kragen zu riskieren, kaum darstellen. 

Da es Will nach eigenen Worten nur um den Aufbewahrungsort für den Schlüssel geht, er aber keinesfalls die Absicht hat, tatsächlich auf der Flying Dutchman zu bleiben, falls Davy ihn beim Lügen erwischt, wäre dies die einzige Verpflichtung, die Will jemals unerfüllt gelassen hätte. Sein Vater bewahrt ihn auch noch vor seinem ersten Wortbruch …

Hinter den Kulissen

Nach dem Kommentar auf der DVD zu Fluch der Karibik 2 hatte Norrington-Darsteller Jack Davenport das Spiel mit zu den Dreharbeiten gebracht. Der Spaß, den Schauspieler und Stab damit hatten, brachte die Drehbuchautoren Terry Rossio und Ted Elliott auf die Idee, es in die Handlung einzubauen.

Einzelnachweise

  1. http://www.spieletest.at/gesellschaftsspiel/680/Perudo Die Regeln sind im Film Fluch der Karibik 2 leicht abgewandelt. Interessant ist der Begriff "Palafico-Runde", die möglicherweise den Namen für Davy Jones Leibwächter Palafico geliefert hat.
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